Es gibt Extrem-Situationen, in denen das Gundelfinger Kinderheim sofort helfen muss. Etwa ein Jahr ist es her, da erstach der ehemalige Lebensgefährte aus Eifersucht eine alleinerziehende Mutter in ihrem Auto. Die sechs Wochen alte Lisa (alle Kindernamen geändert) saß im Kindersitz. „Eine Stunde nach der Bluttat erhielten wir den Anruf, ob wir das Baby und ihren fünf Jahre alten Bruder bei uns aufnehmen können", erinnert sich Schwester Maria Elisabeth, die Leiterin des Kinderheims St. Clara.
Da solche traurigen Fälle keine Seltenheit sind, stieß das Heim der Dillinger Franziskanerinnen in Gundelfingen zuletzt an seine Grenzen. Künftig ist dies anders. Gestern wurde der sehnlichst erwartete Anbau eingeweiht, der Kindern in risensituationen Geborgenheit bietet. Er trägt den Namen der Herausgeberin unserer Zeitung und Kuratoriumsvorsitzenden der Kartei der Not, Ellinor Holland. Als Schwester Maria Elisabeth bei der Eröffnungsfeier die Buben und Mädchen nach dem Namen des Neubaus fragt, tönt es wie aus einem Mund: „Haus Ellinor Holland". Die Einweihung der „heilpädagogisch-intensiven Heimgruppe" ist eine bewegende Feier. Die elfjährige Katharina hat eine Ballerina für den Wandschmuck der lichten Räume gemalt, die sie Ellinor Holland und Alexandra Holland, Mitherausgeberin unserer Zeitung, zeigen will.
„Heut' ist so ein schöner Tag" - die Kinder singen das Fliegerlied. Das Strahlen in ihren Augen zeigt große Dankbarkeit für die neue Wohngruppe, die ohne die Kartei der Not nicht hätte gebaut werden können. „Ohne das Leserhilfswerk der Augsburger Allgemeinen hätten wir nicht anfangen können", sagt Schwester Maria Elisabeth. 300 000 Euro wurden aus dem Spendentopf unserer Leserinnen und Leser für das „Haus Ellinor Holland" zur Verfügung gestellt. Es ist die zweitgrößte Spende in der Geschichte der Kartei. Ellinor Holland erhält für ihre Rede lang anhaltenden Beifall. „Ich sehe hier etwas Wunderbares", sagt die Kuratoriumsvorsitzende. „Einen Ort, an dem Kinder, die Schlimmes erlebt haben, das bekommen, was Kinder brauchen: Liebe, Wärme, stützenden Halt, also all das, was eine Familie bieten kann." Kindern in Not zu helfen, und zwar rasch und gezielt, sei den Kuratoriumsmitgliedern des Leserhilfswerks eine Herzensangelegenheit. Der Traum, im Gundelfinger Kinderheim mehr Platz für traumatisierte Buben und Mädchen zu schaffen, sei schnell in Erfüllung gegangen, sagt Ellinor Holland zufrieden. Landtagsabgeordneter Georg Winter, Landrat Leo Schrell und Bürgermeister Franz Kukla stellen fest, dass der Geist der christlichen Nächstenliebe, den Gründer Johann Weinhart geprägt habe, im Kinderheim fortwirke. Buben und Mädchen können die Segnung der Räume durch Pfarrer Frank Schneider kaum erwarten. „Ich freu' mich so, wir haben so ein schönes Haus bekommen", sagt Lucas. Und dabei strahlt der Neunjährige übers ganze Gesicht.
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