14.06.2012 - Für unbürokratische und schnelle finanzielle Hilfe ist die „Kartei der Not“ seit fünf Jahrzehnten bekannt. Nun steigt die Stiftung auch ins operative Geschäft ein: Geplant ist der Bau eines Hauses, in dem alleinerziehende Mütter und Familien mit behinderten Kindern vorübergehend eine Heimat finden.
„Wir wollen der Idee der Stiftung ein dauerhaftes Zuhause geben“, sagt Ellinor Scherer, stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende der Kartei der Not. „Mit dem Haus soll die Arbeit der Kartei der Not um ein neues Element bereichert werden“, ergänzt Alexandra Holland, ebenfalls Mitglied im Kuratorium.
Schnell besann sich das Gremium dabei auf die Menschen, die um Unterstützung bitten: Am häufigsten sind es alleinerziehende Mütter, die in finanzieller Not oder am Rand der Überlastung sind, da sie gleichzeitig Geld verdienen und für ihre Kinder sorgen müssen. Es sind aber auch Frauen, die von Zuhause fliehen, in Frauenhäusern aber nur kurz bleiben können, junge Mütter, die weder von den Vätern noch ihren Eltern begleitet werden sowie Behinderte, Kranke und Senioren. Angesprochen sind damit alle Zielgruppen, denen die Kartei der Not auch bislang geholfen hat und hilft.
Die Einrichtung der Kartei – benannt nach deren Gründerin Ellinor Holland, der Mutter von Ellinor Scherer und Alexandra Holland – versteht sich als eine Art betreutes Wohnen. Ein Sozialarbeiter, der sogenannte „Kümmerer“, soll täglich vor Ort sein, um die Bewohner bei Bedarf zu unterstützten. „Es geht aber auch darum, dass sich die Familien gegenseitig unter die Arme greifen“, sagt Susanne Donn, Geschäftsführerin der Stiftung.
Die Kartei möchte mit ihrem Engagement zudem eine Versorgungslücke schließen: Viele Anlaufstellen wie Frauen- oder Apartmenthäuser für junge Mütter bieten den Betroffenen nur für begrenzte Zeit Unterschlupf. Danach ziehen sie in eigene Wohnungen und sind auf sich selbst gestellt; eine Situation, in der sich viele nicht zurechtfinden.
Im Ellinor-Holland-Haus ist die Wohnzeit auf ein bis drei Jahre angelegt. „Die Miete wird so niedrig sein, dass sie auch bezahlt werden kann, wenn jemand kaum Geld hat oder Sozialhilfe bezieht“, sagt Susanne Donn. Die Stiftung wird mit den Bewohnern nicht nur Mietverträge, sondern auch Zielvereinbarungen treffen. So soll sichergestellt werden, dass der Start in ein neues, eigenständiges Leben gelingt.
Etwa 30 barrierefreie Wohnungen sind geplant, jede ist mit einer Küche ausgestattet und so geschnitten, dass sie mit Raumteilern auf verschiedene Familiengrößen angepasst werden kann. Auch Gemeinschaftsräume und eine Kindertagesstätte werden beim Haus untergebracht sein.
Finanziert wird das Projekt aus Stiftungsmitteln, Fördergeldern, einem Kredit und durch Spenden. Für die Kindertagesstätte gibt es öffentliche Zuschüsse. Ein Gremium bestehend aus Partnern und Förderern der Kartei der Not wird das Kuratorium bei der Realisierung des Projekts begleiten.
Unbürokratische und schnelle Hilfe wird die Kartei der Not Bedürftigen auch in Zukunft bieten. Sie ist und bleibt Schwerpunkt der Tätigkeit. „Nur haben wir künftig zusätzlich die Möglichkeit, einige Fälle über die akut notwendige Hilfe hinaus zu begleiten“, sagt Geschäftsführerin Susanne Donn. (nip)
Das Hilfswerk der Mediengruppe Pressedruck und des Allgäuer Zeitungsverlags
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